Böhmert man(n), dann…

… mutiert Facebook zu Böhmerbook und das war der Anlass, einen Kommentar zur Causa-Böhmermann abzugeben: Meine Kolumne vom 15. April erschien in der Digitalen Tageszeitung Graz.

Der Böhmermann-Skandal beschäftigt mittlerweile seit gut zwei Wochen die Medienwelt und ihre Betrachter. Deutschlands hochintelligenter Chefsatiriker, der es versteht „ den Medienbetrieb bloßzustellen und dabei selbst Herr des Verfahrens zu bleiben“ – wie es in einem Zeit-Artikel heißt, scheint nun seine Uneindeutigkeit zum Verhängnis zu werden. Neben der Frage, ob das Erdogan-Schmähgedicht, ein Schmäh – also hinreichend als Satire gekennzeichnet war – oder tatsächlich schmähend – den Tatbestand der Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes erfülllend – gemeint war, entbrannte mit dem Fall außerdem eine Debatte um das Genre Satire und die Grenzen künstlerischer Freiheit.

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(c) freelook.info, maxresdefault

Die Causa Böhmermann (hier ein tolles Video, das die ganze Affäre zusammenfasst) zeigt, wie sehr die Medienwirklichkeit eine Scheinwirklichkeit ist. Kunst und Kritik liegen eng beieinander, aber im Gegensatz zum schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist diese Verbindung weit weniger bekannt, noch weniger die Kunst der Kritik. Und egal, ob geschickt inszeniertes Aufmerksamkeitsmanagement oder tatsächlich intendierte Beleidigung: Ausschlachten ist schließlich eine Strategie dieser Maschinerie, in der traditionelle Vorgehensweisen out, Risikofreude und Grenzüberschreitung in sind und die Glaubwürdigkeit der Medien ohnehin längst nicht mehr zur Diskussion steht. Warum auch eine Strategie ändern, die den Medienzirkus veranlasst, zu tun, was er immer tut, tat und tun wird: brav mitspielen.

 

Resanitas Wilde Frau

Ausstellung. 

Heute Abend wird im Kunsthaus Graz (Space 05, 19 Uhr) die Ausstellung „Wilde Frau!“ eröffnet. Zugleich wird das gleichnamige Buch (Verlag der Provinz) präsentiert. Die Chefkuratorin des Kunsthauses Kathrin Bucher Trantow wird die Einführung zusammen mit Karl-Heinz Herper von der der Steirischen Kulturinitiative und der Autorin und Kulturanthropologin Elsbeth Wallnöfer gestalten. Die beiden Künstlerinnen Resa Pernthaller und Anita Fuchs – zusammen „Resanita“ – zeigen die Ergebnisse ihres künstlerischen, von der Kulturinitiative geförderten Rechercheprojekts. Sie machten sich dafür im zentraleuropäischen Raum auf die Suche nach dem weiblichen Pendant zum archetypischen „Wilden Mann“ und bereisten dafür Slowenien, Rumänien, Kroatien, die Ukraine und die Slowakei.

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(c) Resanita

Die dabei entstandenen Bilder und Animationen setzten sie zu jener Fotostrecke zusammen, die sie als Antwort und feministische Intervention auf Charles Frégers Fotostrecke „Wilder Mann“ verstanden wissen wollen. Von 06. Bis 17. April wird diese im Rahmen der Kunsthaus-Reihe „Offenes Haus“ zu sehen sein.

Künstlerhaus Graz bilanziert 2015 und blickt auf 2016

Gerade findet die Jahrespressekonferenz 2016 im Künstlerhaus statt. Kulturlandesrat Christian Buchmann und der Direktor der Halle für Kunst und Medien (KM) Sandro Droschl präsentieren eine Bilanz von 2015 sowie das Programm und Budget für 2016.

Sieben Einzel- und vier Gruppenausstellungen sowie 45 Veranstaltungen und rege Publikationstätigkeit lockten rund 14.000 Neugierige ins neue KM, das in seinem dritten Ausstellungsjahr damit ein Besucher-Plus von 4% verzeichnet. Deshalb und nicht zuletzt auch der Unterstützung durch die öffentliche Hand wegen, kann ein ausgeglichener Haushalt präsentiert werden – keine Selbstverständlichkeit im Kultursektor. Besonderer Dank wird dem engagierten schlank bemessenen Team des KM, Kooperationspartnern und dem Land Steiermark ausgesprochen. Der Schwerpunkt vom Vorjahr soll auch heuer weitergeführt werden: die Vernetzung von internationaler, heimischer und steirischer Gegenwartskunst. Dafür wurde das Jahresbudget von knapp 575.000 auf fast 600.000 Euro angehoben.

Kurator Christian Egger plant damit ein qualitatives und vielseitiges Programm. Den Auftakt bildet die noch im Jänner stattfindende Personale um die junge Steirerin Flora Neuwirth mit ihren Kunstraum „clubblumen“, es folgen Auseinandersetzungen der Kunst mit Ökonomie oder Sprache und aufsehenerregende Präsentationen großer Namen wie Keren Cytter, Edward Hopper oder Klaus Scherübel.

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Direktor Sandro Droschl mit Landesrat Christian Buchmann (c) Land Steiermark

 

Das Joanneum: Wackelige Leitung, solide Wissensvermittlung

Das Universalmuseum Joanneum, von Erzherzog Johann 1811 gegründet und nach ihm benannt, verliert vielleicht bald seinen Leiter Peter Pakesch. Wie Kleine Zeitung und Kronenzeitung berichten, könnte Pakesch zur Maria-Lassnig-Stiftung wechseln. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

Mit dem Begriff „Joanneum“ verbindet man vier steirische Institutionen: Das Universalmuseum Joanneum (dem Peter Pakesch vorsteht), das Forschungsinstitut Joanneum Reserach, die Technische Hochschule (TU) und die Fachhochschule (FH) Joanneum in Graz. Alle vier haben ihren Ursprung in der Grazer Innenstadt, dem Joanneumsviertel. Für die Digitale Tageszeitung habe ich eine Übersicht erstellt:

Hier einsehbar.