Der Thronprinz erobert Graz

Werbung in südsteirischer Sache und für alle Cider-Liebhaber: Seit wenigen Monaten gibt es einen österreichischen Apfelschaumwein, der die steirische Getränkekultur um eine weitere Spezialität erweitert. Für die „Digitale Tageszeitung“ habe ich über eine Release-Party des neuen „Thronprinz“ berichtet: 

Zwei steirische Winzersöhne machten sich auf, die Welt des Weines zu erkunden und kamen mit der Idee für einen Cider alias Apfelschaumwein made in Austria zurück. Jetzt sind sie auf großer Release-Tour und machen heute Abend ab 20 Uhr auch im Grazer Flann O’Brian halt.

Unterstützt werden sie dabei von der ebenfalls südsteirischen Band „The Rootups“, die sich zuletzt mit ihrer Single „Circles“ in den Soundportal-Hits listeten.

cider2.jpg

(c) Thronprinz(en): Herbert König, Alexander Sattler, Jürgen Trummer

„In Neuseeland haben sind wir auf den Geschmack von Cider gekommen und daheim in Österreich haben wir ihn vermisst, also haben wir herumexperimentiert und kurzerhand unseren eigenen Cider kreiert“, erklärt Produktionsguru Jürgen Trummer.

Dieses eigene Experiment ist nun nach etwa drei Jahren ‚Gärzeit’ produktionsreif und lanciert unter dem Markennamen „Thronprinz“ als erster trockener österreichischer Apfelcider in den Läden, vor allem jenen der Kette „Wein & Co.“ Eine Positionierung in ausgewählten Lokalen in Graz und Teilen Wiens ist bereits nach nur wenigen Monaten gelungen, berichtet Alexander Sattler vom Sattlerhof, der auch für das Marketing des Thronprinz Ciders verantwortlich ist.

THRONPRINZ_FlascheundHand2.jpg

(c) Thronprinz

Qualität – angefangen beim Rohstoff Apfel bis zum Produktionsvorgang – ist den beiden „Cider-Providern“ wichtig: nur frisch und per Hand geerntete, schonend gepresste und ausschließlich steirische Äpfel geben dem Thronprinz seinen typischen Geschmack. Ab heute kann man sich von diesem im Flann O’Brian selbst überzeugen.

 

 

Turn(er) on!

Frank Turner kommt 2016 gleich zweimal nach Graz.

Das erste Mal war Sonntag, 20 Uhr. Frank Turner kam nach fast drei Jahren wieder in die Stadt. Diesmal reiste er mit neuem Album (Positive Songs For Negative People) im Gepäck und gastierte im restlos ausverkauften Orpheum. Der sympathische Brite begeisterte seine Fans einmal mehr mit Folk Rock und Punk Klängen, einem starken Programm und einer Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht.

IMG_4847.JPG

Frank Turner auf der Orpheum-Bühne (c) junebug

Zwei starke universell-zeitkritische Statements stellte Frank Turner zu Beginn als Konzert-Regeln auf: “Everybody be nice to each other” und “It doesn’t mather, where you come from, it matters where you go” (Peggy sang the Blues), dann legte er los.

Turner, gewohnt in schwarzer Hose und weißem Hemd, das freie Sicht auf seine tätowierten Arme (Tattoos), betrat die Bühne relativ pünktlich nachdem die Vorband, Skinny Lister, diese geräumt hatte. Er lachte herzlich, begrüßte die Menge auf Deutsch, teilte die Menge in die dunkle und die helle Seite der „Macht“ (Star Wars), coverte spontan einen Motörhead-Song zum Gedenken an Ian „Lemmy“ Kilmister und spielte „Broken Piano“ gefühlvoll und erstmals solo auf der E-Gitarre. David Bowie ehrte er, ebenso wie die Tour-Flagge, die er eigens zu Beginn seiner Welttournee gestaltet hat und die ihm seither auf jedes Konzert folgt. Er band die Vorband, seine eigene Band “The Sleeping Souls” und die jubelnden Fans gleichermaßen mit ein – Erstgenannte ließ er crowdsurfen, Zweiteren gestand er so viel Raum zu, als wäre nicht er der Star, sondern sie und den Fans schenkte er trotzdem nahezu ungeteilt große Aufmerksamkeit. Obendrein hatte er während der vollen zwei Stunden, die er nonstop großartig performte, sichtlich Spaß. Wir Grazer Fans auch.

“Frank Turner und Graz sind Freunde” das gestand er und versprach spontan noch heuer ein weiteres Graz-Konzert. Der Termin ist offiziell noch nicht bekannt, Kartengeier dürfen aber schon in den Starlöchern scharren.

 

All That Jazz

Jazz mal anders. Ausnahmsweise pilgert man dieser Tage nicht ins „Stockwerk Jazz“ am Jakominiplatz, um berauschende Jazzmusik zu vernehmen. Stattdessen fand das Konzert der sympathischen KUG-Studenten auf der Bühne statt. Genauer: im Haus DREI des Grazer Schauspielhauses. Startblock nennt sich die Initiative  der Neo-Intendantin Iris Laufenberg – hundert Tage lang lädt sie Grazer Kulturschaffende ein, das Haus DREI als Spielwiese zu nutzen und sich vorzustellen. 

Art Blakey, Lee Morgan, Freddie Hubbard. Namen, die man kennt und die durch „The Jazz Messengers“, jener legendären amerikanischen Jazzband der 1950er-Jahre, bekannt wurden. Ein musikalisches „Tribute to The Jazz Messengers“ präsentierten sechs Studierende der Grazer Kunstuniversität am Dienstag im Haus DREI des Schauspielhauses.

Und es wurde den Jazz-Größen gerecht. Nicht nur die bekannten Stücke und mitreißenden Beats eines Art Blakey und Co. sorgten für Begeisterung bei den Zuhörern, sondern auch das sympathische Auftreten der jungen Jazzmusiker. Das Sextett kommuniziere bei den Proben in vier Sprachen miteinander: Auf Russisch, Ungarisch, Deutsch und Englisch. Moderator und Saxofonist Oleksandr Ryndenko finde das aber nicht schlimm, man selbst wisse immer was gemeint sei. Und auch das Publikum verstand die gemeinsame Sprache und belohnte nicht zuletzt deshalb jedes Solo mit einem Zwischenapplaus. Die Leidenschaft für die Musik ist universell und für jedermann/ jede Frau verständlich.

Die beiden Balladen wurden besonders emotional gespielt, das Drum-Spiel von Balázs Balogh war ausdauernd und intensiv, die Moderation ein einziges liebenswürdig-witziges Kabarettstück.

oleksandr-ryndenko-c-privat

Oleksandr Ryndenko (c) privat, Schauspielhaus

Beat vs. Off-Beat – Diese Frage stellt sich im Jazz nicht.

In Graz kennt man Jazz außerhalb eines Zusammenhangs mit dem Stockwerk Jazz am Jakominiplatz fast nicht. Das Schauspielhaus Graz macht nicht den Fehler des Totschweigens. Es begeht den Intendanzwechsel nicht still und heimlich, sondern mit einer Einladung an die Grazer Kunstszene auf der Schauspielhaus-Bühne mitzumischen. Dafür wurde der „Startblock“ und der „Startblog“ eingerichtet – 100 Tage lang sind diverse Grazer Kunst-Institutionen zu sehen.

Bach wohltemperiert

Einige Gedanken zum Styriarte-Konzert vom 14.07.2014, 20 Uhr in der Helmut-List-Halle, Graz.

Der erste Teil von Bachs Wohltemperiertem Klavier erfreute die Besucher der Styriarte am Montag zwei Stunden lang mit den Klängen, die Starpianist Pierre-Laurent Aimard dem Instrument virtuos entlockte. Er konnte mit diesem Auftritt in Graz, nach dem letzte Woche in Salzburg, die Station “Österreich” auf seiner Welttournee abhaken: Erfolgreich.

Der Saal: zum Bersten voll. Das Publikum: begeistert. Der Applaus: tosend. Soweit wenig verwunderlich.

Denn der lehrhafte und doch verspielt-fantasievolle Charakter des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach (1685 –1750) ist selbst Laien wie mir bekannt. Fesselnd beginnt das Konzert bereits mit der Fuge BWV 846, deren Töne, so gut wie jedem vertraut im Ohr klingen.

Kann man seinen Blick vom Geschehen auf der Bühne lösen und lässt ihn durch die Menge des Publikums schweifen, ertappt man einige Zuseher dabei, wie sie in die imaginären Tasten schlagen – die Finger tanzen auf ihren Knien im Stillen, die Augen meist geschlossen.

PIanist Pierre-Laurent Aimard

Dass der Genuss dieser Musik mit geschlossenen Augen durchaus entspannend ist und ob der abendlichen Stunde mitunter als Begleitung ins Traumland optimal genutzt werden kann, konnte man, nicht ohne ein Mindestmaß an Verärgerung, bemerken: Ein kontinuierliches Schnarchen “untermalte” die wohltemperierten Präludien Bachs. Zumindest so lange bis der wiederkehrende Applaus nach jeder Fuge erneut losbrach.

Aber sollte nicht auch das Sinn des Stücks sein? So beschrieb Bach jedenfalls seine Motivation, aus der heraus er sich “abgenöthigt war”, dieses Stück zu komponieren: Der Langeweile entgegenzuwirken und zum Zeitvertreib in “Kuhköthen”.

Das Land, gemeint ist sein Aufenthalt in Köthen in der Nähe von Magdeburg, inspirierte Bach zu diesem Opus: Es rühren die unterschiedlichsten Stimmungen der 24 Satzpaare in allen Moll- und Durtonarten – von leicht und flüchtig über tänzerisch und fließend bis hin zu brausend und mächtig. Wahrlich wohltemperiert.